Corporate Governance bedeutet das Setzen national und international anerkannter Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Sie ist heute wichtiger denn je. Sozial- und Umweltfaktoren und ihre Auswirkungen auf Unternehmensstrategie und
-erfolg rücken stärker in den Fokus. Die Bedeutung nachhaltiger Wertschöpfung wird durch die vergangene Finanzkrise zusätzlich unterstrichen. Die digitale Transformation bietet neue Chancen, aber auch Herausforderungen. Unternehmen müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung umso mehr stellen. In diesem beständig wandelnden Wirtschaftsumfeld hat der Deutsche Corporate Governance Kodex seit seiner Einführung im Jahr 2002 eine zentrale Stellung eingenommen.

Der Kodex enthält Empfehlungen, die als Richtlinie ethisch fundierten, eigenverantwortlichen Unternehmenshandelns Ansporn und moralische Verpflichtung zugleich sind. Im Einklang mit dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft und dem Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns benennt er die Rahmenbedingungen vorbildhafter Unternehmenskultur. Die nachhaltige Unternehmensentwicklung unter Einbeziehung nicht nur der Aktionäre, sondern aller dem Unternehmen verbundenen Gruppen, ist eines der Hauptanliegen des Kodex. Er fördert die Transparenz und offene Kommunikation der Unternehmen und schafft so Vertrauen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Anlegern, Kunden und der Öffentlichkeit.

Als Instrument der Selbstregulierung der deutschen Wirtschaft leistet der Kodex auch einen wichtigen Beitrag zum Bürokratieabbau. Der Gesetzgeber gibt die Rahmenbedingungen vor, legt aber die Erarbeitung der Details in die Hände der unmittelbar Betroffenen. Die Effektivität dieses Ansatzes zeigt sich in der Praxisnähe und Flexibilität des Kodex, der genügend Raum für maßgeschneiderte Lösungen lässt.

Die Erfolgsgeschichte des Kodex ist gleichzeitig Ausweis der hohen fachlichen und ethischen Kompetenz der Mitglieder der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Mit der ersten umfassenden Überarbeitung des Deutschen Corporate Governance Kodex hat sich die aktuelle Regierungskommission ein anspruchsvolles Ziel gesetzt, das - nach intensiven Diskussionen auch in der interessierten Öffentlichkeit - Mitte 2019 erreicht wurde.

Mit dieser Kodexreform wurde der Deutsche Corporate Governance Kodex für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft ertüchtigt. Die Reform reagiert auf aktuelle Entwicklungen, wie die Gefahr der Fragmentierung durch Parallelstandards, wahrt damit die zentrale Stellung des Deutschen Corporate Governance Kodex und hält den Kodex dadurch auch international aktuell.

Die stetige, transparente und ergebnisoffene Fortentwicklung unter breiter Rückbindung an die interessierte Öffentlichkeit ist von wesentlicher Bedeutung für die hohe Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex. Moderne Unternehmensführung braucht modernes Denken, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Auf dieser Grundlage leistet der Deutsche Corporate Governance Kodex einen bedeutenden Beitrag zum nachhaltigen Erfolg deutscher börsennotierter Unternehmen zum Vorteil des Wirtschaftsstandorts Deutschland und der Gesellschaft.

Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz

 

Die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex ist eine von der Bundesministerin der Justiz im September 2001 eingesetzte Kommission. Die Regierungskommission besteht aus Vertretern von Vorständen und Aufsichtsräten kapitalmarktorientierter Unternehmen und deren Stakeholdern. Daher gehören der Regierungskommission auch Vertreter der institutionellen Investoren und der Privatanleger, der Wissenschaft (Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften), der Wirtschaftsprüfer und Vertreter eines Gewerkschaftsbundes an. Die Mitglieder der Regierungskommission werden vom Bundesministerium der Justiz für Verbraucherschutz berufen, wobei die Regierungskommission Vorschläge unterbreiten kann.

Der Vorsitzende selbst wird ebenfalls vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ernannt. Er vertritt die Regierungskommission nach außen und koordiniert die Arbeit nach innen.

Die Regierungskommission formuliert Standards guter Unternehmensführung im Deutschen Corporate Governance Kodex, den sie jährlich überprüft. Die Standards werden dabei nicht allein von der Kommission erarbeitet, sondern auf der Grundlage von Dialogen mit Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit formuliert.